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Hinter historischen Mauern

Von Rittern, Kämpfen und Schlossgespenstern

Das Mittelalter ist in Südtirol noch zum Greifen nah. Mehr als 780 Schlösser, Burgen und Ansitze thronen auf Felsvorsprüngen oder liegen eingebettet in Weingüter, beherbergen Museen und Sammlungen oder werden als Schlosshotels und -restaurants geführt. Die meisten der Bauwerke liegen entlang der Kaiserstraße, die über den Brenner führte oder an der alten Claudia-Augusta-Straße von Meran zum Reschenpass. Die meisten sind aufwändig restauriert, die mächtigen Türme, Mauern und Wehrgänge, Rittersäle und Burgkapellen sind immer wieder eine lohnende Reise in die Vergangenheit.

Beginnen Sie doch einfach mit den Iwein-Fresken im Schloss Rodeneck oder mit einer Besichtigung der Mühlbacher Klause!


Festung Franzensfeste:
Beeindruckend die Festung aus massigen Granitquadern, sichtlich uneinnehmbar und die Talenge südlich des Stausees dominierend: die Franzensfeste wurde 1833-39 errichtet, nach Kaiser Franz I. von Österreich benannt und war damals das stärkste Festungswerk Europas. Doch diese Verteidigungsanlage hat nie echtes Kampfgeschehen erlebt, war bald technisch überholt, prägt aber heute noch die Landschaft.
 
Hofburg:
Der Innenhof der Hofburg mit den Renaissanceloggien im Süden und Norden, mit den geschlossenen Barockfassaden im Osten und Westen, dem alten Burgtor und dem barocken Marmorportal und Türmchen der Hofkirche gehört zu den stimmungsvollsten Schlosshöfen Südtirols. Das Diözesanmuseum beherbergt in 70 Schauräumen die Kunstsammlung mit wertvollen Skulpturen und Tafelbildern aus dem Mittelalter bis hin zur neuzeitlichen Kunst, den Brixner Domschatz, den Kaisertrakt mit den Majolikaöfen, historischem Mobiliar und dem Wiener Porzellan, den Bischofstrakt und die barocke Kapelle. Im Erdgeschoss ist die aus ca. 5000 Figürchen bestehende Jahreskrippe untergebracht, welche Fürstbischof Karl Franz von Lodron für seine Wohnräume in der Hofburg anfertigen ließ. Ergänzt wird die Krippensammlung durch Weihnachtskrippen aus Brixen, Tirol, Neapel und Sizilien.
 
Mühlbacher Klause:
Im Tageslicht präsentiert sie sich imposant und eindrucksvoll – nachts ragt sie aus der Landschaft in einem dumpfen, geheimnisvollen Licht und lädt geradezu ein, die geschichtsträchtige Ruine näher zu betrachten.
Eigentlich war die Mühlbacher Klause einmal eine Befestigungsanlage und diente als Zollstätte. Meinhard der II von Tirol erbaute sie im Jahre 1260 unter den Namen „ältere Klause“ und erst 45 Jahre später gab man ihr den heutigen Namen „Mühlbacher Klause“. Dieser ältere Teil ist heute leider nicht mehr erhalten, wohingegen der im Jahre 1460 – 1480 von Erzherzog Sigmund angelegte jüngere Teil der Mühlbacher Klause aus der heutigen Ruinenanlage ersichtlich ist.
Nachdem die Klause 1526 von Michael Gaismair überfallen wurde, änderte sich bis ins 19 Jh. kaum etwas am Zustand der Festung, außer dass der südöstliche Eckturm durch Hochwasser vom Rienzfluss abgekommen ist und beim Bau der Südeisenbahn der 2. obere Rundturm abgetragen wurde.
Entscheidend war das Jahr 1950: Eine 2. Straße sollte nun durch die Klausenanlage führen, wobei Mauern durchgebrochen und Mauerwunden betoniert wurden.
Weiteren Schaden erlitt die Klause im 19. und 20. Jh. durch den Abtransport von Türen, Scharten, Steinen usw. sowie durch das allgemeine kulturelle Desinteresse.
Heute präsentiert sich die Mühlbacher Klause trotz der Vernachlässigung in der Vergangenheit als denkwürdiges Monument der Antike.
Mit den noch erhaltenen Mauern wird die Vergangenheit zurück geholt und durch die Führungen, welche ab Juli von der Ferienregion Gitschberg Jochtal zu der Ruinenstätte organisiert werden, wird aus der eindrucksvollen Fassade, die von der Straße aus zu sehen ist mehr als nur ein gefälliger Blickpunkt. Längst vergessene Räume werden wieder lebendig und die Aussicht vom instand gehaltenen Turm der Festung ermöglicht den Besucher eine Zeitreise in die Geschichte.
 
Schloss Rodenegg:
Die Burg wurde 1140 von den Herren von Rodank erbaut und im 16. Jahrhundert von den Wolkensteinern zu einem der mächtigsten Schlösser im Lande ausgebaut. Die früheren Zugbrücken, die Türme, Mauern und Zinnen, der malerische Innenhof, der Zwinger, die Waffenkammer und die Burgkapelle zum Hl. Michael geben den vollständigen Eindruck einer mittelalterlichen Burg wider. Besonders sehenswert ist der Freskenzyklus in 11 Szenen zur Iwein-Sage, nach dem höfisch-ritterlichen Epos von Hartmann von Aue.
 
Schloss Sigmundskron:
Der Ursprung von Sigmundskron reicht schon in die vorgeschichtliche Zeit zurück. In unmittelbarer Umgebung wurden Reste einer rätischen Wallburg gefunden. Später hatten die Bischöfe von Trient hier ihre Hauptburg und hielten Gerichtstage. 1473 hatte Herzog Sigismund der Münzreiche die Burganlage erworben, die Burg zum Teil neu aufgebaut, wie es eben der neuen Waffentechnik sowie den aufkommenden Feuerwaffen entsprach.
Das Schloss ist in Besitz der Autonomen Provinz Bozen und gemeinsam mit dem weltbekannten Bergsteiger Reinhold Messner ist hier das Messner Mountain Museum entstanden, das seit Juni 2006 geöffnet ist.
Das Messner Mountain Museum, kurz MMM FIRMIAN, ist das vierte Museumsprojekt des Reinhold Messner. Es ist untergebracht in der restaurierten Burgruine von Schloss Sigmundskron.
Die Begegnung zwischen Mensch und Berg steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die aus Bildern, Skulpturen, Kunstwerken und Objekten besteht, die Reinhold Messner in zahlreichen Expeditionen zusammentragen konnte.
Zum MMM-Projekt gehören weiters:
Schloss Juval bei Naturns, das Museum Ortles in Sulden und das Museum Dolomites im Belluno. Geplant ist noch ein weiteres MMM zum Thema Bergvölker.
 
Schloss Trauttmansdorff:
St. Valentinstraße/Obermais, südlich des kleinen Valentinkirchleins - heutige Anlage des Botanischen Gartens und des Landesmuseums für Tourismusgeschichte.
Aus einem bäuerlichen Gutshof und später einer einfachen Burg (Neuberg) entstand im 16. Jahrhundert durch einen großzügigen Ausbau das zinnengekrönte und mit Loggia gezierte, herrschaftliche Schloss Trauttmansdorff, so benannt nach der Besitzerfamilie. Schon Kaiserin "Sissi" aus Österreich wusste die sonnige und klimatisch milde Lage des Herrenansitzes zu schätzen und verweilte mehrmals mit ihrer Familie dort, als Gast der damaligen Schlossherren (zwischen 1870 und 1890). Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Schloß zusehends und kam 1977 in den Besitz des Landes Südtirol.
 
Schloss Wolfsthurn:
Barocke Schlossanlage, die gesamte Anlage soll 365 Fenster haben. Die Zahlenspielereien- „So viele Tage hat das Jahr“ waren in der Barockzeit sehr beliebt. Die im Originalzustand erhalten gebliebenen Prunkräume vermitteln eine Ahnung vom adligen Leben und von der höfischen Jagd des 18. und 19. Jahrhunderts. Im Schloss sind zwei Ausstellungen zum Thema „Jagd, Fischerei, jagdliche Volkskunst und Geschichte von Wolfsthurn“ untergebracht.
 
Burg Taufers:
Von ihrer historischen Bedeutung zeugt diese mächtige mittelalterliche Burganlage. Ehemals Dynastenburg der Herren von Taufers, gelangte sie 1977 in den Besitz des Südtiroler Burgeninstituts. Im 15. und 16. Jh. wurde sie zu einer weitläufigen Wohnburg ausgebaut. Die vollständig möblierte, sehr gut erhaltene Burg zählt zu den größten und schönsten Burgen des gesamten Tiroler Raumes. Sie enthält eine sehenswerte Sammlung von Einrichtungs- und Kunstgegenständen verschiedener Epochen (12. bis frühes 17. Jh.). Von den 64 Räumen sind rund zwei Drittel getäfelt. Besonders wertvoll sind die Fresken von Friedrich Pacher in der Burgkapelle.

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